Das German Sailing Team hat den neuen Olympia-Zyklus mit zwei Silbermedaillen eingeläutet. Vor Mallorca beeindruckten Richard Schultheis und Fabian Rieger (Norddeutscher Regatta Verein/Verein Seglerhaus am Wannsee) bei ihrer ersten gemeinsamen Regatta ebenso mit Platz zwei wie Simon Diesch und Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club/Verein Seglerhaus am Wannsee; Joersfelder Segel-Club) im 470er-Mixed. Mit insgesamt fünf Top-Ten-Erfolgen holte das German Sailing Team in der Nationenwertung der Trofeo Princesa Sofía unter Aktiven aus 55 Ländern Platz sieben.
„Das war ein guter Einstieg in den neuen Olympia-Zyklus“, zog DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner nach einer intensiven Rennwoche auf Mallorca Bilanz. Der neue DSV-Cheftrainer Dom Tidey, der die Akteurinnen und Akteure und ihre Coaches die Woche über auf dem Wasser und an Land begleitete, sagte: „Es war ein gutes Testfeld, um zu sehen, wo wir stehen. Ich habe viele gute Momente gesehen und bin von vielen unserer Athletinnen und Athleten sehr beeindruckt. Zwei Medaillen sind eine gute Anerkennung dafür, was in Zukunft möglich sein wird. Wir haben mehr Medaillen drauf.“
Eine der beiden erfolgreichsten Crews waren vor Mallorca der erst 19 Jahre alte Richard Schultheis und sein 29-jähriger Vorschoter Fabian Rieger. Nach nur drei Wochen in einem Boot brillierte das Duo, agierte auf Anhieb auf Weltklasseniveau, war an vielen Tagen mit dem gelben Trikot der Spitzenreiter im Einsatz und holte nach dem souveränen Sieg im Medaillenfinale Silber bei seiner Premiere.
Richard Schultheis wurde in Berlin geboren und wuchs auf Malta auf. Als 49er-Juniorenweltmeister 2024 und als Fünfter und bester Europäer der jüngsten Motten-Weltmeisterschaft in Neuseeland hat der junge Steuermann sein Können und Talent schon vielfach bewiesen. Fabian Rieger hatte 2018 mit seinem damaligen Steuermann Tim Fischer WM-Bronze und 2020 die 49er-EM gewonnen. Nach Fischers Abschied vom olympischen Segelsport wechselte Rieger selbst für eineinhalb Jahre ans 49er-Steuer, bevor er jetzt mit Richard Schultheis eine vielversprechende Crew formiert hat.
Richard Schultheis hat sich entschieden, seine erste Olympia-Kampagne unter deutscher Flagge als Mitglied im German Sailing Team zu bestreiten. Der Deutsch-Malteser ist aufgrund seiner bisherigen Leistungen bereits seit Jahresbeginn Mitglied im Perspektivkader des German Sailing Teams. „Zu seinen größten Stärken zählt, dass er immer ruhig bleibt“, zollt Fabian Rieger seinen neuen Steuermann Respekt.
Bei der Trofeo Princesa Sofía mussten sich die deutschen Aufsteiger nur den französischen Weltmeistern Erwan Fischer und Clément Péquin geschlagen geben. Dabei konnten Schultheis/Rieger mit ihrem Sieg im Medaillenrennen noch einmal ihre Klasse zeigen. „Die Woche kam uns mit technisch anspruchsvollen Bedingungen beiden entgegen“, sagte Fabian Rieger nach dem Medal Race. „Es war ein großartiger Start für unsere Kampagne, aber der Weg ist noch lang. Der 49er ist ein Boot, das viel Spaß macht zu segeln, aber man muss auch sehr viel Zeit und Arbeit reinstecken“, ergänzt Richard Schultheis.
Der erfolgreichen 49er-Crew bescheinigte der Chefcoach eine „phänomenale Leistung“. Dom Tidey sagte: „Was für eine interessante Kombination die beiden bilden: Wir haben den jugendlichen Enthusiasmus mit hochkonzentrierter Fokussierung und hoher Glaubwürdigkeit durch bereits erbrachte Leistungen in Kombination mit dem breiten Erfahrungshorizont von Fabi, der schon alles gesehen und alles gemacht hat. Zusammen bilden sie ein Weltklasseteam mit rosiger Zukunft.“
© Sailing Energy / Princesa Sofía Mallorca
Auch die deutschen 470er-Mixed-Crews bleiben eine Top-Disziplin des deutschen olympischen Segelsports. Simon Diesch und Anna Markfort, die sich nach Platz 14 bei der Olympia-Regatta von Marseille im vergangenen Herbst für eine weitere gemeinsame Olympia-Kampagne entschieden hatten, stiegen mit Silber vor Mallorca überzeugend in die neue Olympiade ein. Anna Markfort sagte lächelnd: „Das Ergebnis hätten wir gekauft, wenn man es uns vor der Regatta angeboten hätte.“
Die Schlüssel zum frühen Erfolg ihres Teams auf Kurs Olympia 2028? Nach Rang vier im Medaillenfinale sagte Anna Markfort: „Wir haben ein paar Stellschrauben um eine halbe Umdrehung weitergedreht. Und definitiv war hier das Mindset wichtig: Es ist nicht zu Ende, bevor das Ziel nicht erreicht ist. Es herrschten häufig ablandige Bedingungen, also eher untypische Palma-Bedingungen. Wir haben auf jeden Fall mal wieder bewiesen, dass wir uns gut vorkämpfen können.“
Diesen Beweis erbrachten auch ihre 470er-Mixed-Teamkameraden Theresa Löffler und Christopher Hoerr (Deutscher Touring Yacht-Club/Segelclub Breitbrunn Chiemsee). Das süddeutsche Duo war von Platz sechs aus ins Finale gestartet und konnte sich mit Rang drei im Medaillenrennen noch auf Platz vier vorarbeiten.
Platz fünf erkämpfte sich in der Bucht von Palma Theresa Steinlein im Feld der iQFOiL-Windsurferinnen. Ein schwacher Tag in Folge einer Lebensmittelvergiftung machte der Olympia-Sechsten von Marseille den Satz aufs Podium dieses Mal zu schwer. „Wir sind aber sehr stolz auf Theresa, dass sie den Renntag nach schlafloser Nacht noch so gut gemeistert und sich dann so weit erholt hat, dass sie die Serie so stark beenden konnte“, sagte Dom Tidey zu Theresa Steinleins Kampfleistung.
Ihre Zwillingsschwester Sophie Steinlein und Vorschoterin Catherine Bartelheimer (Norddeutscher Regatta Verein/Segelclub Inning am Ammersee) schlossen den Auftakt zum Sailing Grand Slam 2025 im Balearen-Revier im 49erFX als Zehnte ebenfalls in den Top Ten ab. Als Elfte nach der Hauptrunde hatten die Olympia-Sechsten Marla Bergmann und Hanna Wille (Mühlenberger Segel-Club) den Cut fürs Medaillenrennen nur knapp verpasst.
Eine bemerkenswerte Leistung gelang Ilca-7-Steuermann Ole Schweckendiek vom Kieler Yacht-Club. Im Alter von erst 20 Jahren einer der Jüngsten im Aufgebot des German Sailing Teams, holte er mit Platz 21 das beste deutsche Ergebnis im größten Männerfeld von 174 Ilcas. „Das war echt ganz gut dafür, dass es mein erster großer Seniorenwettbewerb war. Ich glaube, am Ende des Tages war die Konstanz ausschlaggebend“, sagte der U19-Weltmeister von 2023 aus Schleswig-Holstein.
Mit fünf Teams in den Medaillenrennen und der Finalserie der iQFOiL-Windsurferinnen haben sich die DSV-Akteure am Schlusstag der Serie noch einmal angriffslustig präsentiert. Platz sieben in der von Großbritannien vor Australien und China gewonnenen Nationenwertung zeigt, dass die Mannschaft unter der Regie von Dom Tidey mit erfahrenen und neuen Disziplinen-Trainern die „Road to LA28“ auf gutem Kurs eröffnet hat.
„Es gab Ups and Downs in dieser Woche, aber alle haben bis zum Ende den Fokus gewahrt und gekämpft. Ich denke, wir haben bewiesen, dass wir das Talent im Team haben, auf dem höchsten Niveau wettbewerbsfähig zu sein“, sagte Dom Tidey.
Zwei Wochen nach dem Workshop mit dem gesamten German Sailing Team auf Mallorca sagte Dom Tidey nach dem Finale der Trofeo Princesa Sofía zur Aufbruchsstimmung im Team: „Der Teamgeist, den wir im Teamcamp erlebt haben, hat sich hier fortgesetzt. Es herrscht eine sehr gute Stimmung in der Mannschaft. Das gilt für die Coaches ebenso wie für die Athletinnen und Athleten und die Mitarbeitenden im Backoffice.“
Alle Ergebnisse der Trofeo Princesa Sofía Mallorca by Fergus Hotels 2025, die den ersten Teil der neu initiierten Grand Slam Serie der olympischen Bootsklassen markiert, sind auf der Eventseite der Regatta zusammengefasst.