Fernab von Alltäglichkeit

 





Seit 100 Jahren gibt es die Kreuzer-Abteilung des DSV, und seit 1922 zeichnet die Organisation seemannschaftlich vorbildliche Reisen im Rahmen ihrer Fahrtenwettbewerbe aus. Im Jubiläumsjahr 2011 wurde ein Großteil der Wanderpreise an Crews verliehen, die fernab der üblichen Routen segelten.

Fahrtensegeln wird von vielen Crews als anspruchsvoller Sport betrieben. Das zeigen einmal mehr die prämierten Reisen des Fahrtenwettbewerbs der Kreuzer-Abteilung des DSV. Ein Großteil der ausgezeichneten Mannschaften segelte in der Saison 2010 entweder in abgelegene, einsame Reviere, ging in kleinen Schiffen auf große Törns oder bewies Stehvermögen auf typischen Starkwind- und Tidengewässern.

Besonders beeindruckt zeigte sich die Jury der Kreuzer-Abteilung von dem diesjährigen Gewinner des „Commodore-Preises“ und einer Goldmedaille für außergewöhnliche Leistungen im Hochseesegeln. Peter Lühr vom Verein Seglerhaus am Wannsee war zusammen mit seiner Partnerin und Freunden von New York bis zur Ostküste Australiens gesegelt. Dabei steuerte er seine 44-Fuß-Ketsch „Freya“ auch jenseits der typischen „Barfußroute“ in langen Schlägen zu exotischen Inseln wie den Galapagos, den Osterinseln oder Pitcairn. Tuamotus, Tahiti, Samoa, Fidschi und Vanuatu ergänzten die Kette der Traumreviere, bevor er nach 10 Monaten Australien erreichte. Insgesamt legten Peter Lühr und Crew in zehn Monaten 12.652 Seemeilen zurück, in denen sie Schwerwetter, schwierige Riffpassagen und nächtliche Ansteuerungen von Häfen und Ankerbuchten meisterten.

Kerniges Segeln ist aber auch durchaus in Nordeuropa möglich. Das bewiesen der erst 21 Jahre alte Jan Lürkens vom Segelclub Eckernförde und seine 23-jährige Steuerfrau Julia Bock. Die beiden gewannen die „Silberne Möwe“ und eine Goldmedaille für die beste Jugendreise im Jahr 2010. Das Duo übernahm in Bergen das 11,60 Meter lange Stahlschiff seiner Eltern und segelte von dort über die Nordsee zu den Shetlands und dann südwärts über Fair Isle zu den Orkneys. Anschließend querten sie den Pentland Firth zur Ostküste Schottlands und erreichten über den Moray Firth Peterhead, den Absprunghafen für die zweite Nordseequerung, die sie zur Küste Jütlands führte. Durch den Limfjord, den Öresund und das Smaalands-Fahrwasser segelten sie weiter bis nach Eckernförde.

Insgesamt wurden im Rahmen des Fahrtenwettbewerbs 2010 acht Wanderpreise sowie 77 Gold-, Silber- und Bronzemedaillen verliehen. Ort und Zeitpunkt der Übergabe waren gut gewählt: Die Preisverleihung fand am 19. März 2011 in Berlin statt, exakt (auf den Tag genau!) 100 Jahre nach der Gründung der Kreuzer-Abteilung des DSV. Auch die Location stimmte: 2011 war es das Maritim ProArte, ein Jahrhundert zuvor hatte man im „Central-Hotel“ getagt, das schräg gegenüber an der gleichen Straßenkreuzung lag. Dort hatten sich am 19. März 1911 insgesamt 56 deutsche Segler zur Gründungsversammlung der Organisation getroffen. Ihr Ziel war die Förderung „aller Interessen zu Nutzen und Frommen der schönen, gesunden Yachtreisen“. Bereits 1922 wurde ein „Wettbewerb für die besten Leistungen auf dem Gebiet des Wandersegelns Binnen und auf See“ veranstaltet. Damit begann die Tradition der Fahrtenwettbewerbe, in deren Rahmen bis heute jedes Jahr die navigatorisch und seemännisch besten Reisen mit wertvollen Wanderpreisen sowie Gold-, Silber- und Bronzemedaillen geehrt werden. Für die Jury zählen nicht Meilenfressen oder Extremabenteuer, sondern die sorgfältige Vorbereitung und seemännisch verantwortungsvolle Durchführung der Törns.

Die Kreuzer-Abteilung des DSV ist mit gut 18.500 Mitgliedern die größte Interessenvertretung der Fahrtensegler in Deutschland. Sie bietet Seglern und Motorbootfahrern ein breites Angebot an Informationen, Serviceleistungen und Sparvorteilen – unter anderem preisgünstige Yachtversicherung, Einkaufsvorteile bei Hafenhandbüchern und Revierführern, finanzielle Zuschüsse für Jugendliche bei Ausbildungsangeboten und vieles mehr. Mit ihren Seminaren und Praxistrainings trägt die Kreuzer-Abteilung zur Sicherheit auf dem Wasser bei.

Davon profitieren auch die Mitglieder des Club der Kreuzer-Abteilung e. V. (CKA). Dieser Serviceclub für Segler steht allen Seglern und Motorbootfahrern offen, die sich keinem örtlichen Verein anschließen, aber trotzdem Regatten segeln und einer Gemeinschaft von Wassersportlern angehören möchten. Vor allem auch der wachsenden Gruppe von Charterseglern bietet der CKA maßgeschneiderte Informationen und Dienstleistungen.

Die Gewinner der Wanderpreise des Fahrtenwettbewerbs 2010:

·  Commodore-Preis – Hochsee: Peter Lühr, Verein Seglerhaus am
   Wannsee
·  A.-G.-Nissen-Preis – Seesegeln: Dr. Rainer und Marja Haag, Segler- 
   Vereinigung Heiligenhafen
·  Ostseepreis: Dr. Walter Clausen, Club der Kreuzer-Abteilung
·  Arthur-Doerwald-Gedächtnispreis – für Boote unter 10m Länge:
   Dr. Gerhard Hinz, Segel-Club Rohrwall und Schiffergilde zu Berlin
·  Binnen-Küste-Preis: Ronald und Manuela Gottschalk, Cöpenicker
   Segler-Verein, Berlin
·  Silberne Möwe – Jugend: Jan Lürkens, Julia Bock, Segelclub Eckernförde
·  Fluss- und Seenpreis: Helga und Heinz Gottschalk, Cöpenicker Segler-
   Verein
·  Familien-Preis: Susanne und Hagen Decker + Arne, Sven und Helen,
   Wassersportverein „Luv-up“ Jemgum